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Thomas und Andreas Rottmar

Herr Rottmar, warum übernimmt man heute noch eine Umzugsspedition?
Thomas Rottmar:
Es gibt immer viele Gründe. Uns ist das in die Wiege gelegt worden. Seit ich denken kann, war mein Vater Fernfahrer. So sind wir aufgewachsen. 1998 sind wir mit rein in die Spedition Herlitz. Ich habe noch unter Helga Lippolt gelernt. Irgendwann kommt man dann nicht mehr weg. Und will man auch nicht mehr.

Sie sind gelernter Speditionskaufmann und ihr Bruder Andreas…?
Rottmar: … ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Quasi Seiteneinsteiger. Das ergänzt sich aber ganz gut bei uns: Er ist der Praktiker, ich der Theoretiker. Das hat aber auch den Riesenvorteil, dass er draußen für die Montagen Gold wert ist. Er ist mit Abstand unser Top-Monteur. Auch wenn er eigentlich nicht raus soll. Aber das ist eben Umzugsgewerbe: Da gibt es kein ‚eigentlich‘.

Wir hatten zuletzt 2014 über Sie berichtet. Da waren Sie gerade nach Garching gezogen. Was ist seitdem passiert?
Rottmar: Wir haben in Garching unser Zuhause gefunden. Offiziell haben Helga Lippolt und mein Vater Hermann uns beiden zum 30. September 2019 den Betrieb übergeben. Wir haben einen Selfstoragebereich gegründet, die Website relauncht, also ein Facelift gemacht.

Sie zeigen dort auch sich und Ihre Mitarbeiter mit neuen Fotos.
Rottmar: Wir wollen damit auch den Privatkunden besser einfangen. Wir wollen das Gefühl geben, dass das keine gekauften Bilder sind. Dass jemand dahinter steht, der echt ist, der greifbar ist. Das ist sehr wichtig. Auch die Digitalisierung ist uns sehr wichtig, ein Thema, an dem kein Spediteur mehr vorbei kommt. Daher auch da Facelift: Es soll modern sein, frisch. Nicht mehr dieses Baukastensystem.

Sie haben in dem Zug auch die Farben gewechselt – vom Confernrot auf ein Blau.
Rottmar: Mit der Farbe an sich hat das eigentlich nicht so zu tun. Wir hatten mit der Agentur Pixeltypen zusammengearbeitet und die riet uns „nehmt was Weiches. Nehmt blau“. Mit der Farbe kann man auch gut spielen. Das gefällt uns wirklich gut.

Das heißt, Sie machen einiges anders als früher?
Rottmar: Natürlich. Das ist ja auch der richtige Weg. Unsere Site ist aber auch noch lange nicht fertig. Das ist der erste Entwurf. Wir werden auch die Confern später wieder besser integrieren.

Sie haben folglich Ihre Lkw nicht von Confernrot auf Herlitzblau umgeklebt?
Rottmar: Nein. Aber wir wollen als eine eigene Marke gesehen werden. Wir sind Herlitz. Nicht nur ein Confernspediteur. Und Herlitz steht für etwas in München. Dieser Name ist uns die letzten Jahre ein bisschen zu kurz gekommen. Das wollen wir stärker verkaufen, dass Herlitz ein Begriff ist. Und nicht nur die Confern.

Hat Ihnen der Umzug nach Garching mehr genutzt oder mehr geschadet? Helga Lippolt sprach nicht nur von den hohen Gewerbefl ächenkosten, Sie hatten ja auch am alten Standort kaum noch Platz.
Rottmar: Wir hatten damals schon ein Außenlager in Garching für unsere Boxen. Und dann eben München. Heute ist es leichter, an nur einem Standort die Veraltung zu betreiben. Man muss aber auch sagen: Die Mietkosten sind heute doppelt so hoch wie damals. Nicht für den Kunden, sondern für uns. 2014 war nicht gerade das beste Jahr für uns, da mussten wir schon kämpfen. Dafür haben wir es jetzt hinbekommen, dass alles reibungslos läuft. Fünf Jahre wollen wir noch hierbleiben. Andreas und ich haben beschlossen, uns nach einem eigenen Grundstück umzugucken und selbst zu bauen. Etwas eigenes, das perfekt auf uns zugeschnitten ist. Für das, was wir noch vorhaben. (Pause)

Ich habe Zeit. Erzählen Sie gerne, was Sie vorhaben.
Rottmar: Ich bin viel mit den Kollegen im Austausch. Und ich bin auch dankbar für den möbelspediteur. Ich finde, wenn man den wirklich liest, also intensiv liest, kann man viel rauslesen und interessante Sachen finden. Für mich ist zum Beispiel die ‚Auxbox‘ megainteressant, muss ich sagen. Das schaue ich mir live an. So etwas schwebt mir vor, professionelles Selfstorage zu betreiben. Auch wie die Website angelegt ist. Dahinter steckt ein gutes Konzept. Man muss die Augen offen halten, wissen, was die Kollegen machen und was sie richtig machen. Und was man davon bei sich implementieren kann. Das zweite ist, dass wir direkt gegenüber vom Zoll sitzen. Wir wollen das Thema Zolllager und Zollbeauftragter angehen. Mit der Confern möchten wir die die Letzte-Meile-Logistik übernehmen, was bei uns kaum läuft.

Nochmal kurz zum Selfstorage: Sie sagten vorhin, Sie sind schon mit einer Anlage aktiv?
Rottmar: Ja, wir haben in der Halle einen drei Meter hohen Niedrigbereich. Da haben wir einige Kabinen gebaut, die kleinste hat zehn, die größte 40 Quadratmeter.

Mit welcher Auslastung?
Rottmar: Seit wir hier sind, haben wir eine frei. Mehr nicht. Die nutzen wir, wenn wir für Flohmärkte wie ‚Sternstunden‘ wieder sammeln. Das läuft einfach immer. Das ist ein Selbstläufer im Moment. Es schaut auch nicht so aus, als wenn das irgendwann einbricht.

Sie sagten anfangs, Sie wollen stärker auf den Privatkunden zugehen. Das heißt, Sie machen zur Zeit hauptsächlich Büroumzüge?
Rottmar: Wir machen schon alles. Aber wir haben das Problem, dass wir Privatumzüge, so es keine Empfehlungen sind, fast ausschließlich über Immobilienscout generieren. Wir suchen dort ab 100 Quadratmeter. Doch das ist uns allen ein Dorn im Auge. Rein vom Kosten-Nutzen-Faktor her betrachtet.

Sie haben doch mit der Erfahrung von 125 Jahren etwas vorzuzeigen. Und Herlitz ist nicht der kleinste Münchner Spediteur.
Rottmar: Ja, aber wir haben die Werbung dafür nie wirklich betrieben. Vor unserer neuen Site hat man uns im Google Ranking so auf Seite neun gefunden. Jetzt sind wir auf Seite eins oder zwei vorgerückt. Kein Mensch schaut doch über Platz fünf hinaus bei Google nach Ergebnissen.

Wir läuft bei Ihnen die Onlineanfrage?
Rottmar: Von der Funktion her sehr gut. Bei uns kann der Kunde beispielsweise einen freien Termin buchen, in dem er direkt online auf meinen Terminkalender zugreift. Da sind wir sehr stolz drauf, das funktioniert super. Ein paar Sachen werden da aber noch angepasst. Was steht noch bei Ihnen auf der Agenda? Rottmar: Wir wollen das Consulting ausbauen. Planen eine Art Herlitz-TV für Social Media, dass wir dort präsenter werden. Kurze Videos, das finde ich ansprechender als ein Bild. Die Augen offen halten, was die anderen machen. Und dann sieht man, was machbar ist.